Prager Burg, Hradčany und Strahov
Prager Burg, Hradčany und Strahov
Prager Burg , Hradschin und Strahov
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Die Prager Burg bildet seit über 1200 Jahren das politische Zentrum unseres Staates. Heute hat dort der Präsident der Republik seinen Sitz, der das Neue Palais (Nový palác) bewohnt, die sog. Theresienflügel (Tereziánská křídla). Durch diesen Bau verband Nicola Pacassi im 18. Jahrhundert die einzelnen Burgpalais, vor allem diejenigen aus der Zeit Rudolf II. Das Mathias-Tor (Matyášova brána) aus dem Jahre 1614 entstand zwar erst unter Rudolfs Nachfolger – Mathias II. – an Rudolfs Leidenschaft für Kunst erinnert aber immer noch die Bildergalerie der Prager Burg (Obrazárna Pražského hradu).
Der älteste Kern der Burg dient heutzutage vor allem den Touristen. Das betagte mittelalterliche Königspalais (Královský palác) verbirgt ein romanisches Kellergewölbe aus dem 12. Jahrhundert, das gotische Erdegeschoss mit dem Säulensaal (Sloupová síň) des Wenzel IV. sowie den spätgotischen Vladislav-Thronsaal (Vladislavský sál). Der ist Werk von Benedikt Ried, der die drei ursprünglichen Säle des Luxemburg-Palais ersetzt und somit zu seiner Zeit (1486–1502) in Europa den größten gewölbten Raum ohne innere Stützbalken geschaffen hat (62 x 16 m). Heute werden hier der Präsident gewählt und die bedeutendsten politischen Zeremonien des Staates abgewickelt. Die spätgotischen Gewölbe des Saales und des daran anliegenden Reittreppenhauses wurden von B. Ried durch Renaissancefenster, Portale und dem Ludwig-Flügel (Ludvíkovo křídlo) im Renaissancestil ergänzt. Die Verbindung von Tradition und Moderne seiner Zeit wird allerdings ständig fortgesetzt. Der Architekt von Präsidenten T. G. Masaryk, der heute weltbekannte Josip Plečnik, hat viele Anpassungen der Burg vorgenommen (1920–1934), die das Burggelände gefühlvoll und intelligent gestalten, und Václav Havel, Bořek Šípek und Eva Jiřičná versuchen heute, in dieser Tradition fortzufahren.
Das tatsächliche Herz des tschechischen Staates und der heiligste Ort aller Tschechen liegt inmitten des wichtigsten, des dritten Hofplatzes. Es handelt sich um die St.-Veits-Kathedrale (chrám sv. Víta) und die in deren Organismus eingewachsene St.-Wenzels-Kapelle (kaple svatého Václava). Hier ruhen die sterblichen Überreste des ewigen Herrschers und Beschützers dieses Landes. Über seinem Grabe werden in der Kronjuwelenkammer die Kronjuwelen aufbewahrt. Das kostbarste Juwel darunter – die St.-Wenzels-Krone – stammt aus der Zeit des Karel IV. Die St.-Wenzels-Kapelle, die unter Karel IV. von Petr Parler errichtet worden ist (1367 fertiggestellt) zeigt die Bedeutung dieses Ortes. Ihr quadratischer Grundriss hebt das zeitgenössisch gebräuchliche Schema des Kathedralengrundrisses auf. Die Wände werden von polierten Halbedelsteinen und Fresken bedeckt, von denen der Teil, der die Legende vom Heiligen Wenzel schildert, erst aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die 2 m hohe St.-Wenzels-Statue aus Tonschiefer (1373 beendet) und die Fresken mit Kaiserportraits stammen noch aus den Zeiten von Karel IV., genauso wie das ganz außerordentliche Sternengewölbe der Kapelle.
Die Dominante der südlichen Fassade der Kathedrale wird von einem Turm gebildet, der mit einem Renaissance-Wandelgang und einem Barockzwiebelturm gekrönt ist. Zwischen dem Großen südlichen Turm und der St.-Wenzels-Kapelle befindet sich der monumentale Eingang in die Kathedrale, Goldenes Tor (Zlatá brána) genannt. Es ist mit einem Mosaik aus der Zeit Karel IV. verziert, der darauf mit seiner vierten Gemahlin, Elisabeth von Pommern, portraitiert ist. Nach Entwürfen böhmischer Maler ist dieses Mosaik (1371) von Venediger Mosaiklegern geschaffen worden und wird bis heute für das größte und älteste Außenmosaik nördlich der Alpen gehalten. Nach unlängst vorgenommener Restaurierung strahlt es von Neuem in seiner ursprünglichen Schönheit. Außer der St.-Wenzels-Kapelle und dem Goldenen Tor mit dem Südturm hat Petr Parler mit seiner Eisenhütte auch das Presbyterium der Kathedrale bis hin zur Alten Sakristei (Stará sakristie) fertiggestellt, die von einem gewagten Gewölbe mit Hängeschlussstein abgedeckt wird – zu seiner Zeit (1356) technisch gesehen eine Spitzenleistung. Dieses Presbyterium-Gewölbe ist auch außerordentlich bemerkenswert, handelt es sich doch um eines der ältesten Netzgewölbe in Europa (1385 fertiggestellt).
In der Prager Kathedralen-Eisenhütte entstand nach der Hälfte des 14. Jahrhunderts die spätgotische architektonische Formensprache, die dann 50 Jahre später in ganz Mitteleuropa weiterentwickelt wurde. Die aus Parlers Eisenhütte hervorgegangene bildhauerische Ausschmückung ist nicht weniger bemerkenswert. Die Grabmäler von sechs Herrschern aus dem Geschlecht der Premysliden und des Bischofs Jan Očko von Vlašim im Erdgeschoss der Kapelle zusammen mit dem einzigartigen Komplex von 21 Portrait-Heiligenbüsten im unteren Triforium und mit weiteren 10 Heiligenbüsten im äußeren Triforium machen aus der Kathedrale gleichzeitig ein Heiligtum mittelalterlicher Bildhauerei.
Nach dem Tode von Petr Parler (1399) hat sich der Bau wohl verlangsamt und nach dem Ausbrechen der Hussitenkriege (1420) wurde er völlig eingestellt. Die folgenden Jahrhunderte haben die Kathedrale nur ergänzt. Das Herrschergeschlecht der Jagellonen ließ das spätgotische königliche Oratorium (královská oratoř) errichten (1493) und unter den Habsburgern entstand das königliche Mausoleum mit den Gräbern von Ferdinand I., Anna und Maximilian II. Das Barock hat die Kathedrale z. B. mit dem silbernen Grabmal des Johannes von Nepomuk (1733–1736) verziert. Der endgültige Fertigbau (1873–1929), der von Josef Mocker (bis zum Jahre 1899) und danach von Kamil Hilbert geleitet wurde, bot auch für die modernen böhmischen Künstler eine Gelegenheit. Die Gegenwart wird in der Kathedrale z. B. durch das berühmte Grabmal des Kardinals B. Schwarzenberg von Myslbek (1892–1895) oder durch die Vitrage von Fr. Kysela, M. Švabinský und A. Mucha repräsentiert. Die St.-Veits-Kathedrale ist nicht nur Metropolitendom der Prager Erzbischöfe, sondern auch Krönungskathedrale und Begräbnisstätte unserer Herrscher. Sie ist und bleibt das materialisierte Symbol der böhmischen Staatlichkeit sowie unseres Glaubens, denn die Ehrfurcht vor dem Heiligen Wenzel hat die böhmischen Protestanten und Katholiken stets verbunden.
An die Südseite der Kathedrale liegt das Gebäude der Alten Propstei an, der einstige Sitz der Prager Bischöfe. Auf dem anliegenden Gelände wurde im Jahre 1928 von J. Plečnik ein Monolith aus Granit von Mrákotín zu Ehren der Opfer des Ersten Weltkriegs aufgestellt. Die unweit stehende bronzene Replik der Reiter-Statuegruppe des heiligen Georgs erinnert an das Original aus dem Jahre 1373 (in der Nationalgalerie untergebracht).
Zu den ältesten stehenden Bauwerken auf der Prager Burg gehört das St.-Georgs-Frauenkloster der Benediktiner (klášter sv. Jiří). Die Barockfassade der Klosterkirche verbirgt eine Basilika aus dem Jahre 920, die im Zustand nach einer Reparatur aus der Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Das Kloster selbst wurde im Jahre 973 gegründet. Es handelt sich um das älteste Kloster in unserem Lande und hat als Erziehungsinstitution für adelige Mädchen des Böhmischen Königreiches gedient. An der Südseite des Klosters neigt sich die Straße Jiřská ulice, die am Rožmberk-Palais (später Lobkowitz-Palais) und am Renaissancegebäude der Burggrafschaft (Purkrabství) zum Schwarzen Turm (Černá věž) aus dem Jahre 1135 führt. Der Schwarze Turm ist Bestandteil des Renaissancetors, das sich in Richtung zur Alten Schlosstreppe (Staré zámecké schody) öffnet. Aus der Straße Jiřská ulice können wir in das malerische Goldene Gässchen (Zlatá ulička) einbiegen. Seine pittoreske Bebauung ist an die Burgbefestigung angelehnt. Davon wiederum sind vor allem die Türme bemerkenswert, die auch als Gefängnis gedient haben. Am bekanntesten ist der Turm Daliborka, in dem unter den Jagellonen Dalibor von Kozojedy gefangen gehalten worden ist, der später durch den Komponisten Bedřich Smetana Berühmtheit erfahren hat.
In der nächsten Umgebung der Prager Burg erstrecken sich Gärten [der Garten Na Baště, der Paradiesgarten (Rajská zahrada), der Garten Na Valech, der Garten Jelení příkop (Hirschgraben) und der Königliche Garten (Královská zahrada)], die hier bereits seit der Zeit von Ferdinand I. gedeihen (seit dem Jahre 1534). Sie beherbergen eine Reihe von Renaissance- und Barockfiguren von vorrangigen Künstlern ihrer Zeit (einschließlich M. B. Braun) und nicht weniger interessante Gebäude, wie z. B. das im Renaissancestil erbaute Ballhaus (Míčovna) von Bonifaz Wohlmut. Es handelt sich um das älteste gemauerte Sportgebäude seiner Art in Europa (1569 fertiggestellt). Am bekanntesten ist allerdings das Renaissance-Belvedere (Belvedér) der Jagellonen-Königin Anna, das Ferdinand I. für seine Gemahlin im Königlichen Garten errichten ließ (1535–1563).
Das Objekt wird von Dutzenden von Renaissancereliefen mit historischer wie auch Courtoisie-Thematik geziert. Vor dem Belvedere summt Wasser, das aus der bronzenen Singenden Fontane (Zpívající fontána) aus dem Jahre 1564 sprudelt. An den Königlichen Garten knüpfen in östlicher Richtung direkt der Park Chotkovy sady sowie das Letná-Plateau an.
Auf der anderen Seite, westlich von der Prager Burg, öffnet sich der Platz Hradčanské náměstí (Hradschin-Platz). Hier finden wir herrliche Palais der Hofleute und Kircheninstitutionen, z. B. das im Renaissancestil erbaute Lobkowitz-Palais (Lobkovický palác, später Schwarzenberger – Šwarzenberský – genannt) mit Sgraffito-Verzierung (1545–1563) und das Toskaner Barockpalais (Toskánský barokní palác, 1691 von J. B. Mathey fertiggestellt). An der Seite der Rokokofassade des Erzbischofpalais befindet sich ein Tor, das zum Šternberk-Palais führt, in dessen Räumlichkeiten sich ein Teil der Sammlungen der Nationalgalerie befindet, die alter europäischer Kunst gewidmet sind. Mitten auf dem Platz steht eine spätgotische Mariensäule aus der Werkstatt von F. M. Brokoff (1726) und am Rande des Platzes, an der Ecke des Salmovský-Palais, wurde im Jahre 2000 eine Bronzestatue unseres ersten Präsidenten T. G. Masaryk enthüllt. Der Platz stellt den ältesten Kern des Hradschins dar, der dritten Prager Stadt, die bereits um das Jahr 1320 entstanden ist, zu einer königlichen Stadt wurde sie jedoch erst im Jahre 1598. Repräsentative Palais des Adels, ihre luxuriösen Gärten (z. B. der Garten des Černínský-Palais) und zahlreiche Kathedralen, beispielsweise die ausgedehnte Loreta von K. I. Diezenhofer (1722) rückten die kleinen Bürgerhäuser in den Hintergrund. Sie ducken sich vor allem in der Neuen Welt (Nový svět). Heute haben sie vor allem Fassaden im Renaissance- und Frühbarockstil. Durch ihren poetischen Zauber bilden sie einen menschlichen Gegenpol zur Monumentalität der Palais.
Südlich des Hradschins erstreckt sich das Prämonstratenserkloster von Strahov (Strahovský premonstrátský klášter), das in der Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet worden ist. Nach vielen Umbauten kommt am markantesten sein barockes Antlitz zur Geltung. Die geräumigen Gebäude dienen nicht nur dem Pämonstratenserkloster, sondern auch dem Denkmal des nationalen Schrifttums (Památník národního písemnictví) und der reichen Bildergalerie Strahov (Strahovská obrazárna). Besonders bemerkenswert ist die hiesige Bibliothek, die an die 130.000 Bücher, 2.500 Manuskripte (von denen die ältesten aus dem 9. Jahrhundert stammen), rund 1.500 Erstdrucke und weiter den Nachlass von 1.200 böhmischen Schriftstellern aufbewahrt. Zum Gelände von Strahov gehören u. a. bezaubernde Gärten, von wo aus sich wunderschöne Aussichten auf Prag anbieten.
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03.10.2007PRAGUE-PORTAL.COM
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