Altstadt und Juden Ghetto

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Adresse: Staré Město, Praha

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Altstadt und Juden Ghetto

 

 

 

Die Altstadt (Staré Město) ist die älteste und reichste Prager Stadt. Ihre Entstehung ist mit einem weltweiten Marktplatz verbunden, der hier mindestens seit dem 9. Jahrhundert in Betrieb gewesen ist. Die Bewunderung des arabischen Kaufmanns Ibrahim Ibn Jakob, der im 10. Jahrhundert durch das Land zog, galt wohl eben diesem Teil Prags. In der Nähe des Altstädter Rings und an den grundlegenden Altstädter Straßen sind die ältesten romanischen steinernen Stadthäuser erhalten geblieben, was im Rahmen von Mitteleuropa ganz und gar einzigartig ist. Heute sind über 70 davon bekannt. Die Altstadt wurde damals „Mezihrady“ [zwischen der Prager Burg (Pražský hrad) – und der Burg Vyšehrad] genannt und auf dem heutigen Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) florierte ein völkerumfassender Marktplatz. An der Stelle, durch die der Prager Längenkreis verläuft, hat einst eine Mariensäule gestanden (aus dem Jahre 1680), die gleichzeitig als Gnomon einer Sonnenuhr diente. Dieser wurde bei der Ausrufung der Republik im Jahre 1918 zerstört. Zu dieser Zeit stand auf dem Altstädter Ring allerdings bereits das Denkmal des Meisters Jan Hus, des Gründers der böhmischen Reformation, das vom Jugendstil-Bildhauer L. Šaloun (1915) geschaffen wurde. An seiner Seite kommt einer der schönsten Prager Rokokobauten zu Geltung – das Goltz-Kinský-Palais von A. Lurago (1755–1765), das nach einem Projekt von K. I. Dienzenhofer errichtet worden ist. Heute sind hier graphische Sammlungen der Nationalgalerie untergebracht.

 

Das mittelalterliche Prag war sehr kosmopolitisch. Nördlich und nordöstlich vom Platz waren deutsche Kaufleute ansässig, südlich und südöstlich Kaufleute aus romanischen Ländern, östlich vom Platz Böhmen und in nordwestlicher Richtung Juden. Im östlichen Teil der Altstadt befinden sich die ältesten Stadt- und landesfürstlichen Objekte. Neben dem gotisch umgebauten romanischen Steinhaus Zur Glocke (dům U Zvonu), in dem viele mittelalterliche Herrscher verweilt haben, steht die malerische Teinschule (Týnská škola) mit einem Laubengang aus dem 13. Jahrhundert. Dahinter erstreckt sich der wichtigste Stadtdom der Jungfrau Maria vor dem Thein (chrám Panny Marie před Týnem) in die Höhe, dessen großer Teil im 14. Jahrhundert in der Eisenhütte von P. Parler entstanden ist. Darin ist eine ganz außerordentliche mittelalterliche bildhauerische Verzierung erhalten geblieben, sowie auch das Grabmal des rudolfinischen Astronomen Tycho de Brahe und ein Komplex von Malereien.

 

Durch diesen Teil der Altstadt verläuft auch die bemerkenswerte Straße Celetná mit den erhabensten Altstädter Palais. Am Rande der Straße, noch an der Ecke des Altstädter Rings, drängt sich das Štorch-Haus (Štorchův dům), das vom Maler Mikoláš Aleš in einem Stil mit Fresken versehen worden ist, der den Jugendstil mit der Neorenaissancetradition der nationalen Wiedergeburt verbindet. Mitten in der Straße Celetná, an der Ecke des Marktplatzes Ovocný trh (Obstmarkt), erstreckt sich majestätisch ein Juwel der modernen Architektur – das kubistische Haus Zur Schwarzen Mutter Gottes (dům U Černé matky Boží) von Josef Gočár (1909–1911), während die Dominante des Obstmarktes vom klassizistischen Gebäude des Ständetheaters (Stavovské divadlo) gebildet wird, welches u.a. Zeuge der berühmten Premiere von Mozarts Don Giovanni (1787) gewesen ist. An die Seite des Theaters liegt das Karolinum an, ein mannigfaltiger Gebäudekomplex der Universität, der den Häuserblock bis hin zur Straße Celetná durchwächst. Den Kern des gesamten Komplexes bildet das Rothlév-Haus, das Wenzel IV. der Universität geschenkt hat (1383). Das Rektorat der Universität hat hier seit dem Jahre 1611 seinen Sitz. Nicht einmal die neuesten Gestaltungen vermochten, die historische Verschiedenartigkeit dieses Organismus zu zerstören.

 

Die Straße Celetná verbindet den Hauptplatz mit dem spätgotischen Pulverturm (Prašná brána) von M. Rejsek (nach dem Jahre 1475). An den Pulverturm lag eng der Hof Králův dvůr (Königsshof) an. Er war zur beliebten Privatresidenz der böhmischen Herrscher geworden, blieb jedoch nicht erhalten, weil er zum Repräsentationshaus (Obecní dům) umgebaut wurde, zum repräsentativsten Palais des Prager Jugendstils (1906–1911). Es wurde von A. Balšánek und O. Polívka errichtet und an der Verzierung hatten vor allem der Maler J. Preissler sowie die Bildhauer St. Sucharda und L. Šaloun teil.

 

An der gegenüberliegenden, westlichen Seite des Altstädter Rings steht der Rest eines Rathauses mit Kapelle und Turm aus dem 14. Jahrhundert. Vor dem Rathaus sind im Straßenpflaster des Altstädter Rings Kreuze gekennzeichnet, die der Hinrichtung der 27 Anführer des tragischen Ständeaufstandes aus den Jahren 1618–1621 gedenken. Das eigentliche Gebäude der Altstädter Selbstverwaltung entstand aus mehreren Bürgerhäusern, die von der Gemeinde allmählich seit dem Jahre 1338 angegliedert wurden, als ihr das Recht erteilt wurde, sich ein Rathaus zu bauen. Von der südlichen Seite her ist die Rathausfassade mit einer bisher funktionstüchtigen Rathausuhr (Orloj) verziert, geschaffen von Mikuláš von Kadaň (1410) und vervollkommnet von Meister Hanuš (1490). Im Jahre 1864 schuf Josef Mánes die Kalenderplatte zur Turmuhr. Von dieser Seite aus ist das Rathaus auch durch das spätgotische Portal von M. Rejsek (1475) und das im Renaissancestil errichtete Eckhaus Zur Minute (dům U Minuty) interessant.

 

Von der nördlichen Seite des Platzes aus öffnet sich der Anblick auf die St.-Nikolaus-Kirche (kostel sv. Mikuláše), die von K. I. Dienzenhofer (1732–1735) erbaut worden ist. Hinter der Kirche erstreckte sich das Judenghetto, das nach 1896 abgerissen wurde. Es blieb uns die Altneue Synagoge (Staronová synagoga) aus dem 13. Jahrhundert, die älteste erhaltengebliebene und immer noch funktionstüchtige Synagoge in Mitteleuropa, sowie der ganz außerordentliche Alte jüdische Friedhof (Starý židovský hřbitov), der vom 15. bis ins 18. Jahrhundert benutzt wurde. Unter den 20.000 Grabsteinen befindet sich auch das Grab des berühmten Rabbi Löw, der hier zu rudolfinischen Zeiten den sagenhaften Golem geschaffen haben soll, einen künstlichen Menschen, über dem sein Schöpfer allerdings gewissermaßen die Kontrolle verloren hat, und so musste er „abgeschaltet“ und an einem unbekannten Ort versteckt werden. Der größte Teil der Judenstadt ist jedoch den Jugendstilbauten gewichen. Vor allem die Straße Pařížská (Pariser Straße) wurde zur Manifestation des neuen Stils, die am Ufer liegenden Ränder des Ghettos wurden jedoch schon vorher umgebaut. Ein Beleg dafür ist z. B. das Rudolfinum. Es ist bereits seit 1883 die geheiligte Stätte der Musik und der bildenden Kunst. Für die Prager Deutschen wurde es von den wichtigsten Architekten des Tschechischen Nationaltheaters erbaut – Josef Zítek und Josef Schulz.

 

Von der östlichen Seite her wurde die Judenstadt dann von Klöstern und Pfarrkirchen eingeschlossen. Auf dem Gebiet der gesamten Altstadt wurden seit Beginn des 13. Jahrhunderts rund dreißig davon errichtet. Am berühmtesten davon ist wohl das Kloster Anežský klášter (Agneskloster) im Komplex Na Františku, das von Agnes aus dem Herrschergeschlecht der Premysliden (Anežka Přemyslovna) für Franziskaner und Klarissinnen gegründet wurde. Agnes, Schwester von König Wenzel I., wurde zwar erst im Jahre 1989 heiliggesprochen, für die Böhmen wurde sie jedoch bereits nach ihrem Tode zur heiligen Schutzherren (1282). Heute befindet sich im Agneskloster eine Sammlung mittelalterlicher Kunst der Nationalgalerie.

 

Die Heilige Agnes von Böhmen (Svatá Anežka Česká) gründete auch den einzigen böhmischen Kirchenorden – den Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern, der seine Residenz beim Altstädter Brückenturm am Fuße der Karlsbrücke hat. Ihr St.-Franziskus-Dom (chrám sv. Františka) wurde von Jean Baptist Mathey barock umgebaut (1689). Auf diese Weise ist eine der schönsten Kirchen des Prager Barocks entstanden. Dieser Teil der Altstadt, in westlicher und südwestlicher Richtung vom Altstädter Ring gelegen, verbirgt viele Schätze. Hier entlang führte der Krönungsweg der böhmischen Könige, der die Burg Vyšehrad mit der Prager Burg (Pražský hrad) verband. Hier befindet sich die romanische Rotunde des Heiligen Kreuzes (Rotunda svatého Kříže) aus dem 11. Jahrhundert (Straße Karolíny Světlé) und hier hat auch die berühmte Bethlehem-Kapelle (Betlémská kaple) gestanden, in welcher der Reformator Meister Jan Hus seine Predigten hielt. Sie wurde nach dem abgerissenen Original aus dem Jahre 1391 rekonstruiert (1950–1953). In diesem Stadtteil befand sich jedoch auch das Zentrum des Katholizismus, denn am Platz Křížovnické náměstí (Kreuzherrenplatz) wirkte bereits seit 1556 ein Jesuitenkolleg, das sich besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg zu einem breitem Gelände entwickelte. Dem St.-Klemens-Dom (chrám sv. Klimenta) nach wird es Klementinum genannt. Sein Bestandteil ist die St.-Salvador-Kirche (kostel sv. Salvatora) und die ihr angefügte Kapelle, die sog. Vlašská kaple (Welscher Kapelle). Es handelt sich um den ältesten europäischen Dom, dem ein elliptischer Plan zu Grunde liegt. Er stammt aus den Jahren 1590–1597, sein Autor kann jedoch nicht mit Sicherheit ermittelt werden. Wovon damals die Architekten in Italien nur zu träumen wagten, verwandelten ihre italienischen Kollegen am Prager Hof von Rudolf II. in Wirklichkeit. Das Klementinum verbirgt noch weitere Kostbarkeiten. Die barock eingerichteten Interieure der Dome, der Kapelle Zrcadlová kaple (Spiegelkapelle, 1724) oder des Bibliotheks- oder Mathematischen Saals (Knihovní a Matematický sál, 1727–1730) könnten zur Illustrierung der Entwicklung der barocken Kunst in Böhmen dienen. Außerdem diente das Klementinum natürlich auch als Universitätsbibliothek. Die heutige Nationalbibliothek (Národní knihovna) knüpft an diese Tradition an. Sie beherbergt etwa 6 Millionen Bände mit einem jährlichen Zuwachs von rund 80.000 Titeln, sowie viele prachtvolle Handschriften.

 

Südlich vom Altstädter Ring wurde von Wenzel I. die Stadt Havelské město (Havel-Stadt) gegründet. Es sollte sich um einen isolierten neuen Marktplatz handeln, seine Privilegien erweiterten sich jedoch auch auf die ältere Besiedelung. Die Havel-Stadt wurde zum grundlegenden städtischen Marktplatz [von den Marktplätzen Uhelný trh (Kohlemarkt) bis hin zum Ovocný trh (Obstmarkt)] und bis heute herrscht hier ein reges Treiben. Sogar der anliegende Teil der Neustadt (Nové Město) knüpft hier an die Altstadt mit einem Marktplatz an.

 

 

 

 

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